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Der ungewöhnlichste Planetariumsort der Welt – Das Galileum Solingen ist eröffnet

Peter Fuchs

Abb. 1: Das Galileum Solingen

Abb. 2: Im Foyer des Galileums

Die Entstehungsgeschichte des Solinger Planetariums, welches den Namen Galileum Solingen trägt, habe ich über die Jahre aufmerksam verfolgt, sind doch die Solinger Sternfreunde (genauer: die Walter-Horn-Gesellschaft e.V. Solingen) seit der Gründung von sternzeit Mitherausgeber. Und da ist es immer von Interesse, wenn eine Idee Gestalt annimmt, die ich persönlich für sehr herausfordernd und schwierig zu realisieren einstufte. Schließlich sind rund 8,5 Millionen Euro an Kosten kein Pappenstil für einen ehrenamtlich geführten Verein. Die treibenden Kräfte an der Spitze einer kleinen aktiven Mannschaft, Dr. Frank Lungenstraß und Guido Steinmüller, waren lange Jahre im engeren Führungsteam von sternzeit aktiv. Denen ist das zuzutrauen, aber trotzdem … Das Ergebnis einer jahrelangen Planungs- und Arbeitsphase durfte ich dann am 6.Juli 2019 zusammen mit meiner Frau am zweiten Eröffnungstag bestaunen. Darüber, und über die Entstehung dieses einmaligen Projektes, möchte ich hier berichten.

Der Ort des einzigartigen Planetariums liegt in Solingen-Ohligs in einer durchaus dicht bebauten Wohngegend, nicht weit vom Solinger Hauptbahnhof entfernt. Wenn man der guten Beschilderung „Galileum“ folgt, landet man in einer Sackgasse mit Wendehammer (Tunnelstraße). Spätestens dann hat man aber, auf der linken Straßenseite liegend, den 26 Meter durchmessenden oberirdischen Kugelgasbehälter gesehen, welcher das Planetarium Solingen beheimatet. Ein kurzer Stichweg, der nach dem Gründer des Solinger Vereins benannte Walter-Horn-Weg, verbindet die Tunnelstraße mit dem Eingang zum Galileum.
Ein kurzes „Wow“ konnte ich mir nicht verkneifen, als ich den blau gestrichenen Behälter mit dem daneben erbauten siebenstöckigen Gebäude erblickte. Das allein ist schon imposant und als Ensemble von Gebäude und Kugel erst recht.

Der Gasbehälter

An der Stelle des jetzigen Galileums wurde bereits 1891/92 ein Gebäude der Solinger Gaswerke mit zwei Gastanks errichtet. Nachdem die Eigenerzeugung von Gas in den 30er Jahren ein- und auf Ferngasversorgung umgestellt wurde, war das Gaswerk nicht mehr notwendig und wurde abgerissen. An dessen Stelle trat ein Gasbehälter, der zur Speicherung des Ferngases diente. Der heute dort stehende Behälter wurde im Jahr 1957 in Betrieb genommen. Er konnte unter einem Druck von 7 bar rund 64000m³ Gas aufnehmen. Nach über 50 Jahren wurde er im Jahr 2009 stillgelegt, da eine Bevorratung wegen andersweitiger Gasbeschaffung nicht mehr notwendig war. Und eigentlich sollte er abgerissen werden...

Die Idee

Bereits im Jahr 2005 stellten die Solinger Sternfreunde Überlegungen an, wie ein Planetarium (was es noch nicht gab) und eine Sternwarte (die existierte) „unter einem Dach“ vereint werden könnten. Wer die Räumlichkeiten der ehemaligen Sternwarte in der Sternstraße kennt, der kann diesen Wunsch nachvollziehen. Dort war alles liebevoll untergebracht und ein mannigfaltiges Programmangebot an Vorträgen und Beobachtungen leistete gute Arbeit, um die Astronomie und angrenzende Fachgebiete der Bevölkerung nahezubringen. Aber die Räumlichkeiten konnten nicht entscheidend erweitert werden, weil Grund und Boden nicht zur Verfügung standen. Trotzdem wurde noch für das Sternwartengelände an der Sternstraße das „Galileum Solingen“ geplant. Im Jahr 2009 wurde als neuer Standort der Solinger Südpark ins Gespräch gebracht, dann aber wieder verworfen. Und dann war da der ausgediente Kugelgasbehälter im Stadtwerkepark...
Wer letztlich die Idee hatte, dort ein Planetarium zu errichten, entzieht sich meiner Kenntnis, aber sie war irgendwie verlockend, reizvoll, aber auch herausfordernd. So wurden 2010 Gespräche zur Realisierung der Idee mit der Stadt, den Stadtwerken Solingen und der Bergischen Entwicklungsagentur geführt, welche in einem europaweiten Architekturwettbewerb mündeten. Ich erinnere mich genau, als die in der Endausscheidung stehenden Entwürfe präsentiert wurden und dachte: ‚Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt‘. Aus den über 170 eingereichten Entwürfen ging schließlich der des Architekturbüros mvm+starke aus Köln als Sieger hervor.

So weit, so gut! Wenn nur das liebe Geld nicht wäre. Ohne das läuft nun einmal gar nichts. Die eigentlichen Baukosten wurden damals mit rund 6,3 Millionen Euro beziffert. Die Städtebauförderung Nordrhein-Westfalen stellte 4 Millionen in Aussicht, wenn der Verein Eigenmittel in Höhe von rund einer Million nachweisen konnte. Das war ein hartes Unterfangen. Rund 600.000 Euro hatte der Verein aus Rücklagen, Spenden und Sponsoring bis 2014 selbst aufbringen können. Die Stadtsparkasse Solingen bürgte für den Rest der Summe. Da die Gewährung der Fördermittel an bestimmte Fristen gebunden waren, musste dieser Kompromiss eingegangen werden. Letztlich konnte so der Eigenanteil nachgewiesen werden und die Fördermittel konnten fließen. Aber erst wenn die Bürgschaft der Sparkasse abgelöst war, konnte mit dem eigentlichen Bau begonnen werden – vorher nicht. Also hieß es, weiterhin alle Quellen anzapfen, um Geld zu beschaffen. Neben einer Großspende von 100.000 Euro eines nicht genannten Solinger Bürgers, wurde das Ziel Ende Februar 2016 erreicht. Die Bürgschaft war abgelöst! Jetzt konnte mit dem Bau begonnen werden. Zu erwähnen sei noch, dass die Solinger Sternfreunde Ende 2014 das Grundstück samt Gasbehälter von den Stadtwerken Solingen erworben hatten.
Eigentlich war die Eröffnung des Galileum bereits für 2016 geplant. Aber es gibt ja genügend prominente Beispiele, wo das mit dem Zeitziel auch nicht so gut klappt(e). Somit wurde Anfang 2016 von Guido Steinmüller als Präsident der Walter-Horn-Gesellschaft der Herbst 2017 als Fertigstellung genannt...

Die Baugenehmigung war bereits im Dezember 2015 erteilt worden, so dass jetzt Gewerke vergeben und das Projekt wirklich in die Realisierungsphase gehen konnte. Trotzdem dauerte es noch bis zum 27.9.2016, bis die Grundsteinlegung erfolgte.
Ab dann ging es auf der Baustelle stetig voran. Trotzdem war klar, dass der oben genannte Eröffnungstermin im Jahr 2017 nicht mehr zu halten war.

Einen sehr guten Überblick über den Baufortschritt gibt das sogenannte „Bautagebuch“ auf der Webseite des Galileum Solingen unter https://galileumsolingen. de/das-haus/historie/bautagebuch/ Besonders die Konstruktion innerhalb des Gasbehälters zur Aufnahme des eigentlichen Planetariums und der Übergang des Gebäudes zum Gasbehälter stellten alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen. Das hatte letztlich auch zur Folge, dass im August 2018 (!) noch ein Architektenwechsel stattfand. Ab diesem Zeitpunkt koordinierte Ulrich Schlüter als bauleitender Architekt die Gewerke, um den jetzt angepeilten Eröffnungszeitpunkt im Juli 2019 auch wirklich erreichen zu können.

 

Titelbild Ausgabe 4/2019

Dieser Text ist eine Leseprobe. Den vollständigen Text finden Sie in

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