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Geschichte der Astronomie
Wie der Hund an den Himmel kam

Emil Khalisi

Abb. 1: Um den Stern Sirius wie auch um das Sternbild Großer Hund ranken sich zahlreiche Mythen.

Emil Khalisi, Heidelberg

In den Wintermonaten leuchtet Sirius auffällig über unserem Horizont. Selbst der ungeübte Beobachter findet ihn schnell in der Verlängerung der Gürtelsterne des Orion. Nahezu jede Zivilisation hat mit dem funkelnden Juwel des Nachthimmels im Sternbild Großer Hund eine mythologische Geschichte verbunden. Die Wurzeln dieser Mythen gehen oft auf eine prähistorische Zeit zurück, d. h. lange vor 3500 v.Chr., als man die Geschichten in nicht-schriftlicher Form überlieferte.

Stern und Sternbild

Ähnlich wie man über die Herkunft des Namens Sirius nur grobe Vermutungen anstellen kann, ist die Assoziation des Sternbildes mit einem Hund sehr spekulativ. Tauchen wir einmal in die antike Sagenwelt ein und fragen uns: Was verbindet Sirius mit einem Hund?

Zunächst sei bemerkt, dass die alten Griechen wie auch die Römer nur in den seltensten Fällen einen linguistischen Unterschied zwischen einem Stern und seinem Sternbild machten. Das heißt: Sowohl den hellsten Einzelstern wie auch die Konstellation als solche bezeichnete man schlicht mit einem gemeinsamen Wort, z. B. "Hund". Im Griechischen bzw. Lateinischen lauteten die Namen Κυων (Kyon) bzw. Canicula. Der genaue Bezug ließ sich in der Regel nur aus dem Kontext ableiten.

Falls man weitere Sterne derselben Region meinte, wurden sie figürlich mit dem Sternbild umschrieben, z. B. der linke Kniestern oder der Schnabel des Schwans. Für die damaligen Verhältnisse reichte dieses Verfahren aus, denn es gab weder Sternkarten noch einen Bedarf an solcher Präzision, wie sie die heutige Wissenschaft einfordert. Erst in der Astronomie des Mittelalters erhielten viele Sterne einen eigenen Namen, insbesondere durch den in Isfahan lebenden Astronomen Abd ar-Rahman al-Sufi (903-986). Die arabischen Namen waren meist eine Übersetzung des römisch-griechischen Begriffs (z. B. Altair = Adler, Spica = Kornähre). Mit dem 1603 erschienenen Himmelsatlas von Johannes Bayer kamen erstmals (!) deutlichere Abgrenzungen zwischen den Sternbildern auf.

Darüber hinaus unterschied man speziell im Falle des Hundes während der Antike noch nicht zwischen dem Großen und Kleinen Hund, die uns heute als unterschiedliche Sternbilder bekannt sind. Dieses kam erst um die Zeit von Vitruvius im 1. Jh. v.Chr. allmählich auf. Im neunten Buch über die Architektur behandelt Vitruv die Positionen der Sternbilder und sagt, dass der Große Hund dem kleinen am Himmel folge. Procyon, der spätere Name des Hauptsterns im Kleinen Hund, bedeutet daher wörtlich Vor-Hund.

 

Titelbild Ausgabe 4/2013

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