Sternzeit > Archiv / Suche > Ausgabe 4/2011 > Aktuelle Seite

Sternzeit-Forum
Vereinswettbewerb: Warum könnte Astronomie wichtig sein? Gesellschaft für astronomische Bildung

Jürgen Hoffmann, Halle/Saale

Warum könnte Astronomie wichtig sein?

Seit über fünf Jahren bin ich Mitglied in der "Gesellschaft für astronomische Bildung" (kurz: GAB), die ihren Sitz in Halle an der Saale hat und einen großen Teil ihrer Aktivitäten in den Räumlichkeiten des hiesigen "Raumflugplanetariums" auf der Peißnitzinsel entfaltet. Anlässlich der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Planetariums hielt ich in meiner Funktion als damaliger Vereinsvorsitzender am 24. November 2008 eine Rede an die anwesenden Gäste, in der ich darauf zu sprechen kam, aus welchen Gründen Astronomie als eine wichtige Wissenschaft zu betrachten ist. Diesen Teil der Rede möchte ich hier erneut wiedergeben, da er sowohl meine eigene Position als auch das Anliegen der GAB sehr gut auf den Punkt bringt.

Gestatten Sie mir, diese Gelegenheit zu nutzen, um aus dem schlichten Fakt unserer Existenz abzuleiten, dass astronomische Bildung alles andere als exotisch, weltfremd oder gar abgehoben ist. Wir alle bestehen zu über 90 Prozent aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Unsere Existenz ist im Wesentlichen an das Vorhandensein und an die Organisation von lediglich vier chemischen Elementen gebunden. In Anlehnung an Friedrich Schiller können wir sagen: "Vier Elemente, innig gesellt/Bilden das Leben und bauen die Welt" (Wallenstein). Aber wo kommen diese vier Elemente überhaupt her?

Vor knapp 14 Milliarden Jahren begann das Universum sich gleichsam aus einem Punkt heraus auszudehnen. In der Folge dieses so genannten "Urknalls" entstanden lediglich die zwei Gase Wasserstoff und Helium. Aus diesen frühen Gaswolken bildeten sich erste Sterne, und im Innern dieser Sterne wurden die 90 Elemente, die es heute auch noch gibt, gewissermaßen erbrütet. Jeder dieser Sterne endete in einer gigantischen Explosion. Die schwereren Elemente wurden freigesetzt und bei der Entstehung der nachfolgenden Sterne mit eingespeist. Erst jetzt konnten auch Planeten entstehen.

Für uns war dies zugleich ein Anfang, denn die Erde, auf der wir leben, das Wasser, das wir trinken, die Nahrung, die wir essen, ja selbst die Luft, die wir atmen - alles das ist nichts weiter als die Asche längst vergangener Sterne. Der amerikanische Astronom Carl Sagan drückte es poetischer aus: "Wir sind Sternenstaub, der über die Sterne nachdenkt." Und Harald Lesch, der die Fernsehsendung "Alpha Centauri" moderiert, fügte hinzu: "Ohne Sterne wäre alles nichts, und das Nichts wäre überall." (Big Bang zweiter Akt, S. 123)

Nicht zuletzt diese naturgeschichtliche Verbundenheit mit den Sternen ist es, die die Astronomie für unser Dasein bedeutsam macht. Mit einem gewissen Fundus an astronomischer Bildung kann die eigene Existenz zwanglos in den gesamtkosmischen Entwicklungsprozess eingeordnet werden. Es ist nicht reiner Zufall, dass wir heute hier sein dürfen. Dahinter stecken naturgesetzliche Bedingungen, die unter anderem den Sternen "vorschreiben", an welche "Regeln" sie sich "zu halten haben", damit sie so etwas wie uns hervorbringen können - Astronomie eben.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen nahe bringen, warum astronomische Bildung nicht nur wichtig, sondern vor allen Dingen auch interessant ist. Unser Verein - die "Gesellschaft für astronomische Bildung", für die ich hier spreche - bemüht sich, astronomische Bildung hier in Halle, hier im Planetarium einem möglichst breiten Bevölkerungskreis auf verständliche Weise zu vermitteln. Ein Großteil der im Planetarium tätigen Referenten hat seine Wurzeln in unserem Verein und kann die dort gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen an die Planetariumsbesucher weitergeben.

Astronomie ist und bleibt wichtig, schon allein um den Stellenwert der eigenen Existenz adäquat beurteilen zu können - einerseits als Resultat gewöhnlicher physikalischer Prozesse, andererseits als einmalige Gelegenheit, die Schönheit des Universums erfahren und erleben zu können. Es wäre schade, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen.

 

Titelbild Ausgabe 4/2011

Dieser Text erschien in

Ausgabe 4 / 2011

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis.

Die Sternzeit-Ausgabe 4 / 2011 können Sie bei Klicken zum Anzeigen bestellen.