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Sternzeit-Himmel
Aktuelle Beobachtungshinweise für das 4. Quartal 2010

Heiko Ulbricht

Am Morgen des 2. Dezember bildet die Mondsichel mit Venus und Saturn eine eindrucksvolle Konstellation. Venus erstrahlt an diesem Morgen im größten Glanz.

Daten zur totalen Mondfinsternis am Morgen des 21. Dezember 2010

Heiko Ulbricht, Freital (Astroclub Radebeul)

Alle Zeiten entsprechen MEZ und gelten für 51° n. B. und 10° ö. L.
Für MESZ ist zu allen Zeitangaben 1 Stunde zu addieren.

Planeten

Auf Merkur müssen wir in den Monaten Oktober, November und Dezember komplett verzichten.

Venus verkleinert ihren Winkelabstand zur Sonne kontinuierlich. Im Oktober ist sie zunächst nicht zu beobachten, da am 29. des Monats eine untere Konjunktion auf dem Programm steht.
Kurz danach gewinnt sie schnell westlichen Abstand zu unserem Zentralgestirn. Um die Mitte des Monats November beginnt sodann ihre Morgensichtbarkeit. Ihre Helligkeit steigt schnell auf -4 m.6. Ihre beeindruckende, fast 60" im Durchmesser erscheinende Sichel lässt sich auch in kleinen Instrumenten sehr gut erkennen. Bis Jahresende verringert sich ihr scheinbarer Durchmesser auf 27". Sie erscheint dann vier Stunden vor der Sonne über dem Horizont! Eine gute Morgensichtbarkeit erwartet uns also!

Mars hält sich für den Rest des Jahres in der Nähe der Sonne auf und bleibt wie Merkur ebenfalls die ganze Zeit über unsichtbar.

Jupiter wird immer mehr zu einem bequemen Abendhimmelobjekt. Zu Quartalsbeginn kulminiert er eine halbe Stunde vor Mitternacht, Mitte November 20 Minuten nach 20 Uhr und Mitte Dezember gegen 18:25 MEZ. Seine Helligkeit nimmt im Laufe der letzten drei Monate von -2 m.9 auf -2 m.3 ab, sein scheinbarer Durchmesser von 50" auf 39".

Wie Venus wird auch Saturn am Morgenhimmel sichtbar. Zunächst befindet er sich am 1. Oktober in Konjunktion zur Sonne. Danach steigert sich sein westlicher Abstand zur Sonne. Dank steil aufragender Ekliptik wird er schon in der letzten Oktoberwoche wieder sichtbar. Er geht etwas mehr als zwei Stunden vor der Sonne auf und leuchtet mit +0 m.9.
Dann baut er zügig seine Morgensichtbarkeit aus. Von Tag zu Tag geht er zeitiger auf, zum Ende bereits um 1 Uhr. Seine Helligkeit nimmt geringfügig auf +0 m.8 zu. Die Ringöffnung steigt bis auf 10° an.

Uranus besitzt weiterhin sehr ähnliche Beobachtungsbedingungen wie sein großer "Planetenbruder" Jupiter, denn der ferne Planet bleibt dem Gasriesen weiter "auf der Pelle". In der Silvesternacht trennen die beiden nur knapp 41', kommen sich also wieder näher. Seine Helligkeit nimmt von +5 m.7 auf +5 m.9 ab.

Neptun verabschiedet sich allmählich vom Abendhimmel. Anfangs kann er noch zu Beginn der Nacht tief über Südwest aufgesucht werden. In der Silvesternacht versinkt er kurz nach 20:30 Uhr unter den Horizont. Er befindet sich am Ostrand des Steinbocks, an der Grenze zum Wassermann.

Der ferne Zwergplanet Pluto im Sternbild Schütze wird Ende Oktober für den Rest des Quartals unsichtbar.

Sonne

Datum Dämmerungsanfang Aufgang Untergang Dämmerungsende
01.10. 04h 29min 06h 19min 17h 59min 19h 49min
15.10. 04h 53min 06h 41min 17h 28min 19h 18min
01.11. 05h 20min 07h 10min 16h 55min 18h 47min
15.11. 05h 40min 07h 34min 16h 33min 18h 28min
01.12. 06h 01min 07h 59min 16h 18min 18h 17min
15.12. 06h 14min 08h 15min 16h 14min 18h 16min
31.12. 06h 21min 08h 22min 16h 24min 18h 25min

Beginn der Sonnenrotation Nr. 2102: 2010 Okt. 03, 04h 10min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2103: 2010 Okt. 30, 11h 10min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2104: 2010 Nov. 26, 18h 32min
Beginn der Sonnenrotation Nr. 2105: 2010 Dez. 24, 02h 16min

Mond-Phasen

Neumond Erstes Viertel Vollmond Letztes Viertel
01.10. 04 h 52min
07.10. 19 h 45min 14.10. 22 h 27min 23.10. 02 h 37min 30.10. 13 h 46min
06.11. 05 h 52min 13.11. 17 h 38min 21.11. 18 h 27min 28.11. 21 h 36min
05.12. 18 h 36min 13.12. 14 h 59min 21.12. 09 h 13min 28.12. 05 h 19min

Mond-Apsiden

Apogäum Perigäum
Datum MEZ Entfernung in km Datum MEZ Entfernung in km
13.10. 13h 26min 369.069
26.10. 00h 21min 404.169 07.11. 08h 25min 368.912
22.11. 21h 09min 404.734 04.12. 15h 17min 363.480
20.12. 15h 54min 405.729

Der Sternenhimmel

Zu Beginn des Quartals finden wir noch die drei wohl bekanntesten Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler im hohen Südwesten. Aber noch in der ersten Nachthälfte entziehen sie sich allmählich unseren Blicken.

Um Mitternacht können wir dann den herbstlichen Anblick am Firmament bewundern. Das Große Viereck des Pegasus hat den Meridian bereits überschritten. Unter ihm befinden sich die nur aus lichtschwachen Sternen bestehenden Sternbilder Fische und Wassermann. Hoch über unseren Köpfen hingegen überquert die Sternenkette der Andromeda mit der Andromedagalaxie den Meridian. Die Kassiopeia, das Himmels-W, markiert den Zenit.

Schauen wir gen Osten, erklimmen sogar schon die ersten Wintersternbilder die Himmelsbühne. Der Orion geht gerade auf, ebenso die Zwillinge. Fuhrmann und Stier finden sich schon im höheren Nordosten. Der Große Wagen "parkt" in seiner tiefsten Stellung über Nord.

Bis Jahresende verdrängt sodann der Winterhimmel komplett den Herbsthimmel. Wer den vollen Winterhimmel in seiner schönsten Pracht schon genießen möchte, hat Mitte November zwei Stunden nach Mitternacht die Gelegeneheit: der Orion und der Fuhrmann haben dann bereits den Meridian überschritten und über Südost rücken der Kleine Hund mit Procyon und die Zwillinge mit Castor und Pollux nach. Tief über Südost funkelt in allen möglichen Farben Sirius, der hellste Stern des Firmaments und Hauptstern des Großen Hundes, zu uns herab.

Den gleichen Anblick des Himmels haben wir sodann Mitte Dezember um Mitternacht. Frühaufsteher haben im Dezember gar schon wieder die Möglichkeit - aufgrund des späten Beginns der Morgendämmerung - den kompletten Frühlingshimmel in Augenschein zu nehmen. Der Löwe steht im hohen Süden, über Südost folgt der Bärenhüter. Der Große Wagen hat bereits den Zenit erreicht. Dennoch darf dieser Anblick den Beobachter nicht darüber hinweg täuschen, dass der Winter erst noch beginnt!

Kleinplaneten

Mittlere Positionen heller Kleinplaneten zum Zeitpunkt der Opposition im 4. Quartal 2010

Datum Kleinplanet Sternbild α δ Δ (AE) r (AE) PW (φ) mv
2010 Okt 04 (97) Klotho Cet 00h 56min -06 12' 1.199 2.189 5.15 10.2
2010 Okt 07 (219) Thusnelda Psc 00h 45min +07 57' 0.876 1.874 1.60 10.6
2010 Okt 11 (05) Astraea Cet 01h 18min +00 38' 1.766 2.759 2.53 10.6
2010 Nov 02 (46) Hestia Ari 02h 34min +12 17' 1.180 2.172 1.24 10.6
2010 Nov 09 (25) Phocaea Cet 03h 05min +08 44' 1.396 2.380 3.48 10.8
2010 Nov 28 (37) Fides Tau 04h 12min +25 59' 1.199 2.184 2.17 9.6
2010 Dez 09 (16) Psyche Tau 05h 03min +18 05' 1.696 2.679 1.76 9.4
2010 Dez 14 (563) Suleika Tau 05h 21min +21 52' 1.120 2.104 0.96 10.5
2010 Dez 19 (675) Ludmilla Tau 05h 48min +22 09' 1.288 2.272 0.56 10.3

Δ (AE) = Abstand zur Erde
r (AE) = Abstand zur Sonne
PW (φ) = Phasenwinkel
mv = scheinbare (visuelle) Helligkeit

Der Sternenhimmel

Im Laufe des Quartals erobern nach und nach die Wintersternbilder das Firmament. Mitte Oktober - die Nächte werden nun schon deutlich länger - finden wir zunächst noch die Sommersternbilder Schwan, Leier und Adler hoch im Südsüdwesten. Es ist daher noch sehr gut möglich, die prächtige Sommermilchstraße in Augenschein zu nehmen, deren Glanz um die Sommersonnenwende durch die große Himmelshelligkeit kaum zur Geltung kommt.

Um Mitternacht haben dann die Herbsternbilder über uns Besitz von der Himmelsbühne ergriffen: Das Viereck des Pegasus hat den Meridian schon durchquert. Im Süden durchschreitet die markante Sternenkette der Andromeda den Meridian, der Zenit wird vom Himmels-W, der Cassiopeia, beherrscht. Im Osten steigen der Fuhrmann und der Stier schon deutlich auf. Genau im Osten steigt der Orion über den Horizont, Sirius zeigt sich uns in der zweiten Nachthälfte. Dann komplettieren auch die Zwillinge und der Kleine Hund den Anblick des Himmels.

Zum Jahresende können wir sodann den Herbst-, Winter- und Frühlingshimmel in einer einzigen Nacht bestaunen. Zu Beginn der Dämmerung wölbt sich über uns noch der komplette Herbsthimmel, gefolgt gegen Mitternacht vom Winterhimmel. Wer früh raus muss, dem zeigt sich schon der Frühling, obwohl der Winter soeben erst beginnt: Der Löwe mit Mars steht bereits im Süden, gefolgt von Bootes. Tief über Südost funkelt Spica in der Jungfrau mit dem in dieser befindlichen Saturn, und der Große Wagen hat den Zenit erklommen.

Besondere Ereignisse

01.10.2010
01h 40min: Saturn in Konjunktion zur Sonne (10.558 AE von der Erde)

06.10.2010
05h 30min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel, 38h vor Neumond

10.10.2010
18h 30min: Erste Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel tief im Südwesten

20.10.2010
18h 40min: Mond bei Jupiter und Uranus

21.10.2010
Maximum der Orioniden, nicht sehr ergiebig

31.10.2010
Ende der Sommerzeit

02.11.2010
01h 00min: Mond bedeckt Juno (in Deutschland nicht sichtbar)

04.11.2010
06h 30min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel bei Saturn, 48h vor Neumond

08.11.2010
17h 30min: Erste Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel tief im Südwesten

10.11.2010
Morgensichtbarkeit der Venus beginnt

12.11.2010
18h 27min: Beginn des Frühlings auf der Südhalbkugel des Mars

16.11.2010
17h 30min: Mond bei Jupiter und Uranus

21.11.2010
17h 30min: Vollmond bei den Plejaden

29.11.2010
24h 00min: Mond bedeckt Juno (in Deutschland nicht sichtbar)

01.12.2010
06h 30min: Mond bei Saturn

02.12.2010
Venus im größten Glanz am Morgenhimmel, hübsche Begegnung mit der Mondsichel und Saturn

04.12.2010
07h 00min: Letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel, 36h vor Neumond

07.12.2010
17h 10min: Erste Sichtbarkeit der zunehmenden Mondsichel tief im Südwesten, schwierig

13.12.2010
Maximum der Geminiden, ergiebiger Strom
17h 30min: Mond bei Jupiter und Uranus

21.12.2010
09h 17min: Totale Mondfinsternis (Zeitangabe für Finsternismitte). Von Deutschland aus ist nur der Eintritt in den Kernschatten zu verfolgen. 11 Minuten vor Beginn der Totalität erfolgt der Monduntergang. Sichtbar in Asien, Australien und im Pazifik.

29.12.2010
07h 00min: Mond bei Saturn

31.12.2010
07h 00min: Mond bei Venus
Uranus sehr nah (41') bei Jupiter

 

Titelbild Ausgabe 4/2010

Dieser Text erschien in

Ausgabe 4 / 2010

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