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China erobert den Weltraum (Teil 4)

Die ersten drei Folgen dieser Artikelserie (erschienen in SZ 3/2015, 4/2015, 1/2016) befassten sich mit dem Beginn der chinesischen Raumfahrt, dem Aufbau der wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Infrastruktur, der Raketenentwicklung und den militärischen und wissenschaftlichen Satellitenprogrammen, sowie dem Handelskrieg zwischen den USA und China im Kampf um die Märkte für Raumfahrttechnologie.

Militärische Aufklärung, Kommunikation, Wettersatelliten, Kartografie und wissenschaftliche Experimente gehören auch in China längst zum normalen Alltag in der Raumfahrttechnik. China ist „im Weltraum angekommen“.

Militärische Aufklärung

Zwischen 2006 und 2012 hat China 15 militärische Aufklärungssatelliten Yaogan Weixing („Fernerkundungs-Satellit“) auf polaren Bahnen gestartet. Da offiziell nur nichtssagende Informationen wie z.B. „Fernaufklärung, Monitoring von Agrarerträgen, Katastrophenschutz“ usw. angegeben wurden, war man auf Vermutungen angewiesen. Die wahrscheinliche Aufgabe eines Satelliten erschließt sich aus dem Hersteller, dem Startplatz, dem Trägersystem und den Bahnparametern. Aus der Trägerrakete lässt sich auf die Startmasse schließen, Flughöhe und Bahn ermöglichen einen Rückschluss auf die Aufgabe. Einige dieser Satelliten arbeiten paarweise zusammen, der eine als Radarsatellit, der andere mit optischen Instrumenten, so dass sie sich gegenseitig ergänzen. Zudem ist der Radarsatellit von der Wolkendecke unabhängig. Eine dritte Klasse von Aufklärungssatelliten befasst sich mit elektronischer Aufklärung („elint“ - electronic intelligence mission). Was nun genau beobachtet wird, ist spekulativ. Allerdings werden die regionalen Nachbarn Chinas und vor allen Dingen Taiwan dazugehören. Zudem hat China ökonomische Interessen in Afrika und Südamerika.

Navigation

Die USA und Russland betreiben seit längerer Zeit mit GPS und GLONASS Satellitennetzwerke, die mit jeweils etwa 30 Satelliten vorwiegend militärisch und teilweise zivil genutzt werden. Europa ist mit GALILEO dabei, ein für kommerzielle und zivile Zwecke verwendbares Navigationssystem aufzubauen. Bisher wurden 14 der dafür geplanten 30 Satelliten in den Orbit gebracht. Auch Indien plant mit GAGAN ein eigenes Navigationssystem.

Die Chinesen haben ihren ersten Navigationssatelliten Beidou („Kompass“) am 31. Oktober 2000 gestartet und kurz darauf, am 21. Dezember 2000, den zweiten Satelliten. 2003 folgte dann der dritte Satellit. Im Gegensatz zum amerikanischen und russischen System, die Bahnen in mittleren Höhen nutzen, lagen die drei chinesischen Satelliten auf geostationären Bahnen in 36.000 km Höhe. Diese Anordnung kam der Genauigkeit des Systems zu Gute, allerdings war es so auch nur regional einsetzbar. Es diente den Chinesen mit Positionsinformationen für den Transport auf Straßen, Bahnstrecken und Wasserwegen.

Bis heute (Mitte 2016) sind 21 Satelliten zu diesem System gestartet worden. Die meisten betriebsbereiten Satelliten sind auf z.T. geneigten geosynchronen Bahnen über Asien stationiert. Das Navigationsnetz arbeitet damit weitgehend lokal. China hat mehr als eine Million Fischerboote, die im Notfall über dieses System die Position angeben könnten. Es scheint so, dass China global weiterhin das amerikanische GPS nutzen will. Im Konfliktfall mit den USA könnten die eigenen Satelliten dann Korrekturdaten für die Positionen liefern. Im Übrigen ist China seit 2004 dem europäischen GALILEO Projekt beigetreten und es gibt auch Verträge zwischen China und der EU. Von allen Navigationssystemen ist das europäische das präziseste. Es ist in der Lage, die Positionen bis auf 1cm Genauigkeit anzugeben.

 

Titelbild Ausgabe 3/2016

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