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Raumfahrt
China erobert den Weltraum (Teil 1)

Heinz Jürgen Beister

Abb. 1: Der legendäre Mandarin Wan Hu und sein Himmelsgefährt
Bild: Wikipedia

Abb. 2: Von links nach rechts: Ludwig Prandtl, Tsien Hsue Shen, Theodore von Kármán
Bild: Wikipedia

Heinz Jürgen Beister, Ravensburg

China ist in den Kreis der großen Weltraum-Nationen aufgestiegen und auf dem Weg, die Führungsrolle einzunehmen. Seit 2011 verfügt China über eine eigene Weltraumstation und hat mit der Zahl der jährlichen Starts zu Weltraummissionen die Europäer und Amerikaner überholt. All dies ist weithin unbekannt und die öffentlichen Medien berichten wenig darüber. Vom Wettlauf zum Mond bis zur Internationalen Raumstation und zu den bunten Weltraumbildern Hubbles ist der Blick der westlichen Öffentlichkeit auf Amerika, Russland und Europa fixiert. Mit dieser Artikelserie zu Chinas Weltraumaktivitäten soll der einseitige Blick hierauf korrigiert werden.

Unter dem Sessel des Kastendrachens waren 47 Raketen angebracht, als der legendäre Mandarin Wan Hu (Abb. 1) sich dem Gefährt anvertraute. In einer gewaltigen Wolke aus Rauch und Feuer verschwand der kühne Mann auf Nimmerwiedersehen. Immerhin mag er es vielleicht bis zum Mond geschafft haben, wo ein Krater auf der Rückseite seinen Namen trägt.

Fehleinschätzungen

Es sind Geschichten wie die soeben erzählte und die Vorstellung, dass es in China keine Wertarbeit gäbe und ohnehin nur alles abgekupfert und einschließlich der Konstruktionsfehler nachgebaut würde, die unser Bild von der Technologie im Reich der Mitte prägen. China, so denken viele, sei immer ein bis zwei Schritte hinter den westlichen Nationen aufgestellt. Diese Sichtweise führt zu einem "blinden Fleck" und zu einer nicht unproblematischen Fehleinschätzung.

Tsien Hsue Shen - ein chinesischer Pionier

Wernher von Braun, Goddart und Korolev sind bekannte Namen, aber kaum jemand wird Tsien Hsue Shen (auch Quian Xuesen geschrieben) kennen. Der Name bedeutet "Lerne um klug zu werden" und ist Programm. Abb. 2 zeigt den jungen Mann zusammen mit den Professoren Ludwig Prandtl und Theodore von Kármán. Da sind die Zusammenhänge interessant. Der österreichisch-ungarische Physiker von Kármán hat bei Ludwig Prandtl in Göttingen promoviert und war nun seinerseits Doktorvater von Tsien Hsue Shen, der 1939 am CalTech (California Institute of Technology) mit einer Arbeit über "Problems in Motion of Compressible Fluids and Reaction Propulsion" promovierte. Große Namen begleiten auch weiterhin den jungen chinesischen Wissenschaftler, der 1911 in Hangzhou in der Provinz Zhejiang zur Welt kam.

Am CalTech kam er nach der Promotion mit einer Raketengruppe unter der Leitung Theodore von Kármáns in Kontakt, aus der einige Jahre später das JPL (Jet Propulsion Laboratory) als militärischer Arbeitsbereich der Universität hervorging. Später ist das JPL in den Bereich der NASA eingegliedert worden und hat alle großen Weltraummissionen der USA mit Raketentechnologie beliefert. Am 5. Mai 1945, also unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, kam Tsien mit Wernher von Braun zusammen, der sich gerade den Amerikanern gestellt hatte. Tsien war vorübergehend in Deutschland im Rang eines Oberst der amerikanischen Luftwaffe mit einem Überblick über die deutsche Raketentechnologie befasst. 1950 bekam er die Robert Goddard Professur am Caltech zugewiesen.

 

Titelbild Ausgabe 3/2015

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