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Geschichte der Astronomie
Jeremiah Horrocks, der unbekannte Astronom

Peter Fuchs, Pinneberg

Zeitgenössische Darstellung der Beobachtung des Venusdurchgangs (Gemälde von Eyre Crowe: The Founder of English Astronomy, 1891, gefunden auf en.wikipedia.org).

Den Anstoß zu dem vorliegenden Artikel bekam ich während unseres Sommerurlaubs in Liverpool. Beim Spaziergang an der Uferpromenade des Mersey erregte das in den Abbildungen 1 und 2 gezeigte Kunstwerk meine Aufmerksamkeit. Die Inschrift auf dem Bodenkranz zeigte, dass diese Zusammenstellung dem Astronomen Jeremiah Horrocks gewidmet ist. Trotz langer Beschäftigung mit der Astronomie war mir der Name vorher nicht bekannt und so habe ich für alle die, denen es genauso geht, die nachfolgenden Informationen zusammengetragen.

Das „Unbekannte“ bei Jeremiah Horrocks (manchmal auch latinisiert „Horrox“ geschrieben) beginnt schon bei der Angabe seines Geburtsjahres. Auf der Inschrift des Bodenkranzes in Liverpool ist das Jahr 1619 eingraviert. Andere Quellen geben 1618 oder sogar 1617 an. Unstrittig dagegen ist der Geburtsort. Es ist der kleine Ort Toxteth nahe Liverpool. Der Beruf des Vaters wird häufig mit Uhrmacher angegeben, aber auch hier ist man sich nicht einig: eine Quelle nennt Landwirt als Beruf. Jeremiah hatte noch einen Bruder namens Jonas.

Bereits im Alter von 13 Jahren (oder 14) schrieb er sich am 11.Mai 1632 im Emmanuel College in Cambridge ein. Über seine zuvor erreichte Schulbildung ist nichts bekannt, aber es war zu jener Zeit durchaus üblich, sich in sehr jungen Jahren an einem College einzuschreiben. Er musste sich am College seinen Unterhalt verdienen, da ihm sonst keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen. Höchstwahrscheinlich ist dies auch der Grund, weshalb er das College 1635 ohne Abschluss wieder verlassen hat. Eine andere Quelle gibt aber auch an, dass er sich mehr seinen astronomischen Interessen gewidmet haben soll und somit bestimmte Prüfungen in Richtung der klassischen Sprachen, der Literatur und der Theologie nicht geschafft hat. Bei seinen Kursen im College kam er u.a. auch mit der Astronomie des Ptolemäus in Kontakt. Zudem war er einer der wenigen seiner Zeit, der sich mit den Werken von Kopernikus und Kepler auseinandersetzte und von deren Inhalten überzeugt war.

So widmete er sich nach der Rückkehr nach Toxteth vertiefend mathematischen und astronomischen Themen. In diese Zeit fiel auch die erste wissenschaftliche Korrespondenz mit William Crabtree, aus der sich eine innige Freundschaft entwickelte. 1635 ersetzte Horrocks bei seinen Berechnungen die Tafeln des belgischen Astronomen Philipp von Landsberg durch die Rudolphinischen Tafeln von Kepler. Erstere hatten sich durch den Vergleich seiner beobachteten zu den berechneten Positionen der Planeten als sehr ungenau erwiesen. Die Tafeln von Kepler dagegen zeigten eine bis dahin nicht erreichte Präzision bei der Positionsbestimmung. Er begann, mit Unterstützung eigener Beobachtungen, die Tafeln zu überarbeiten. Im Laufe dieser Arbeit gelangte er zu der Überzeugung, dass Kepler einen Venusdurchgang vor der Sonne im Jahr 1639

übersehen hatte bzw. mit seinen bis dahin gültigen Tafeln nicht hatte vorausberechnen können. Kepler hatte einen Venusdurchgang für 1631 berechnet, den er aber durch seinen Tod 1630 nicht mehr erleben und auch in Europa nicht hätte sehen können. Zur Zeit des Transits stand die Sonne dort schon unter dem Horizont. Der nächste, von Kepler vorausberechnete Durchgang hätte danach erst 1731 stattgefunden.

 

Titelbild Ausgabe 2/2016

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