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Der Merkurtransit am 9. Mai 2016

Das herausragende astronomische Ereignis des Jahres 2016 ist zweifellos der Merkurtransit am 9. Mai. Das bedeutet, dass der sonnennächste und kleinste der Planeten als dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe vorüberzieht. Dieser Transit ist in Deutschland komplett zu beobachten.

Am 7. November 1631 beobachtete Pierre Gassendi als erster Mensch überhaupt einen Merkurtransit. Transite oder Durchgänge können sich nur bei den Planeten, die innerhalb der Erdbahn laufen, ereignen. Dies sind Merkur und Venus. Bedingung ist allerdings, dass sie sich zur Zeit ihrer unteren Konjunktion, wenn sie also zwischen Erde und Sonne stehen, in einem ihrer Bahnknoten befinden, also die Ekliptik kreuzen. Da die Bahnen von Merkur und Venus genau wie die der anderen Planeten gegen die Ekliptik geneigt sind, kommt es nicht bei jeder unteren Konjunktion zu einem Transit. Die Bahn des Merkurs ist um 7°, die der Venus um 4,3° gegen die Ekliptik geneigt.

Es gibt pro Jahrhundert 13 oder 14 Merkurtransite, aber nur maximal 2 bei der Venus. Dies erscheint zunächst widersinnig, ist doch die Merkurbahn wesentlich stärker gegen die Ekliptik geneigt als die der Venus. Jedoch ist die Umlaufszeit des Merkurs mit 88 Tagen wesentlich kürzer als die der Venus, die 225 Tage für eine Sonnenumrundung benötigt. Daraus folgt, dass Merkur häufiger in untere Konjunktion kommt als Venus: Etwa alle 108 bis 130 Tage erreicht Merkur diese Position. Die Schwankung erklärt sich durch die hohe Exzentrizität seiner Bahn, sodass er im Aphel langsamer läuft als im Perihel. Des Weiteren führt dies dazu, dass die zeitlichen Abstände zwischen den Transiten stark variieren, sie betragen 3 ½, 7, 9 ½, 10 oder 13 Jahre.

Merkurtransite finden entweder im Mai oder im November statt. Die Knoten der Merkurbahn liegen bei etwa 46° (absteigender Knoten) und 226° (aufsteigender Knoten) ekliptikaler Länge. Die Erde befindet sich in etwa am 7. Mai und am 10. November an diesen Punkten. Kommt Merkur somit an diesen Tagen oder kurz vorher oder nachher in untere Konjunktion, ereignet sich ein Transit. Allerdings bleibt dies auf lange Zeit nicht so: Die Bahnknoten verschieben sich langsam zu größeren Werten der ekliptikalen Länge. So werden Merkurtransite ab dem Jahr 3426 im Juni oder Dezember stattfinden. Transite im Mai dauern länger als solche im November, da Merkur sich dann in der Nähe seines Aphels befindet. Aus diesem Grunde sind auch Transite im November etwa 3 Mal häufiger als solche im Mai.

 

Titelbild Ausgabe 2/2016

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