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Geschichte der Astronomie
Radioastronomie am Bodensee

Günther Müller

Abb. 1: Erich Wegener

Abb. 2: Hans-Karl Paetzold

Günther Müller, Reavensburg

Dies ist ein Beitrag zur Geschichte des Astronomischen Instituts der Universität Tübingen Außenstelle Weißenau (1959 - 1992). Das Gelände liegt zwischen Weißenau und Oberzell im Rahlenwald in der Nähe von Ravensburg. Die Anschrift ist 88214 Weißenau Rasthalde. Heute ist auf dem Gelände ein Forst-Maschinenbetrieb.

Angefangen hat die Geschichte der Radioastronomie am Bodensee mit Erich Regener (*1881 - +1955) (Abb. 1). Er wurde im Herbst 1937 seines Amtes als Hochschullehrer und Direktor des physikalischen Instituts der Technischen Hochschule Stuttgart enthoben. Seine Frau hatte jüdische Vorfahren und politisch war Regener den Nationalsozialisten nicht genehm.

Am 1. Januar 1938 gründete er in Friedrichshafen Seewiesenösch 37 eine Private Forschungsstelle für Physik der Stratosphäre. Vermieterin war Marianne von Weizsäcker, die Mutter des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Im Mai 1938 wurde die Forschungsstelle in die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft eingegliedert. Das Institut wurde bei einem Luftangriff auf Friedrichshafen 1944 zerstört. In einem Provisorium, in einem Waldgebiet bei Weißenau bei Ravensburg, setzte Regener seine Arbeiten fort. Aus dieser Forschungsstelle entstand dann 1952 ein Max-Planck-Institut für Physik der Stratosphäre.

Im November 1954 sorgte das Institut für Schlagzeilen. Deutsche und französische Wissenschaftler arbeiten an der Erforschung der Atmosphäre in 100 bis 120 km Höhe. Sie bedienten sich einer Rakete nach dem Muster der V2. Sie war für friedliche Forschungszwecke in Frankreich nachgebaut worden. Die Länge war 6,29 Meter etwas kleiner als das Vorbild. In Weißenau wurden dafür Mess- und Registriergeräte gebaut. Man wollte damit die Druck-Temperatur- und Strahlungsverhältnisse in Höhen erforschen, die mit Ballons nicht erreicht werden konnten. Versuchsgebiet war die Sahara.

Nach Regeners Tod (1955) wurde das MPI nach Südniedersachsen verlagert und wurde eine der beiden Wurzeln des heutigen Max-Planck-Institutes für Sonnenforschung. Unter Dr. Walter Rau blieb noch ein kleiner Ableger (ca. vier Mitarbeiter) einige Zeit in Weißenau.

Im Oktober 1957 befand sich auf der Rasthalde die westdeutsche Kontrollstelle für den ersten künstlichen Erdtrabanten der sowjetische "Sputnik". Privatdozent Dr. Hans-Karl Paetzold (*1916 - +2002) (Abb. 2) hatte damals die Leitung für dieses Projekt. Sputnik überflog Weißenau alle 96,25 Minuten.

 

Titelbild Ausgabe 1/2012

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