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Geschichte der Astronomie
Auf den Spuren von Nikolaus Kopernikus

Peter Osenberg

Nikolaus Kopernikus

Peter Osenberg, Remscheid

Nachdem ich mich in der Ausgabe 3/2008 der STERNZEIT bereits dem Astronomen Johannes Hevelius etwas näher gewidmet habe möchte ich mich an dieser Stelle mit dem ungleich bekannteren Nikolaus Kopernikus, der 1473 in Thorn geboren wurde und bis 1543 lebte, beschäftigen.

Der Anlass hierfür war - wie könnte es anders sein - ein Reise an die Wirkungsstätten dieses bedeutenden Astronomen, der in wohlhabender Familie aufwuchs und dessen Familie zur deutschsprachigen Bürgerschaft von Thorn zählte, dem heutigen Torun, das etwa in der Mitte des Dreiecks Warschau - Danzig - Posen liegt.

Studien und kirchliches Wirken

Kopernikus (Abbildung) wurde zunächst an der Sankt Johannes Schule in Thorn ausgebildet. Von 1491 bis 1494 besuchte er dann die Universität Krakau. 1495 wurde Kopernikus zum Kanoniker der ermländischen Domschule in Frauenburg (heute Frombork, ebenfalls in Polen am Frischen Haff gelegen) ernannt. Zum Wintersemester 1496/1497 begann er dann an der Universität Bologna ein Kirchenrechtsstudium, daneben studierte er Griechisch und auch Astronomie. So lernte er bei Domenico Novara da Ferrara neuere Theorien zur Bewegung der Planeten kennen. 1500 verließ Kopernikus - wie bereits in Krakau - ohne Abschluss die Universität Bologna und verbrachte anlässlich des Heiligen Jahres einige Zeit in Rom bevor er 1501 nach Frauenburg zurückkehrte. Er erbat eine Genehmigung für die Verlängerung seines Studienaufenthaltes in Italien und begann noch im gleichen Jahr ein Medizinstudium an der Universität Padua. Parallel dazu setzte er sein Jurastudium fort. Bis hierher könnte man etwas salopp formulieren: "Vieles angefangen, nichts zu Ende gebracht." Doch immerhin: er promovierte schließlich als Nicolaus Copernich de Prusia an der Universität Ferrara zum Doktor des Kirchenrechts (Doctor iuris canonici).

1503 kehrte er in's Ermland zurück und begann zunächst als Sekretär und Arzt für seinen Onkel Watzenrode zu arbeiten. Im Jahr 1504 beteiligte sich Kopernikus an den Preußischen Landtagen in Marienburg (heute Malbork) und Elbing (Elblag). Er wurde - obwohl ohne medizinischen Abschluss - Arzt und bekam zudem durch seinen Onkel, der für ihn auch eine "Karriere" als Fürstbischof plante, eine Stelle im ermländischen Domkapitel in Frauenburg. Kopernikus hatte hier als Administrator die Regierungsgeschäfte zu regeln. In den Verhandlungen über die Reform des preußischen Münzwesens erarbeitete er die Position der preußischen Städte. Er verfasste dazu ein Schreiben, das noch Jahrhunderte später als wegweisend für die Geldtheorie angesehen wurde.

Trotz der schwierigen Lage in Preußen mit Kämpfen gegen die katholische Regierung konnten Watzenrode, als Fürstbischof zugleich Landesherr, und sein Neffe Kopernikus die Eigenständigkeit des Ermlands gegenüber dem Orden und die Selbstverwaltungsbefugnisse gegenüber der polnischen Krone bewahren. Zum Kanzler des Ermländer Domkapitels wurde Kopernikus 1510, 1519, 1525 und 1528 gewählt. In den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen vertrat Kopernikus genau wie sein Onkel die Seite des Preußischen Bundes, welcher mit Polen gegen den Deutschen Orden verbündet war. Nach der Zerstörung Frauenburgs durch Truppen Albrechts I. von Brandenburg-Ansbach 1520 im sogenannten Reiterkrieg verlegte Kopernikus seine Residenz nach Allenstein (heute Olsztyn). Dort organisierte er die Verteidigung der Stadt gegen die Ordensritter. Kopernikus kehrte 1521 nach Frauenburg zurück und wurde zum "Kommissar von Ermland" zwecks Rückerstattung von Besitztümern der polnischen Krone ernannt.

Im Deutschordensstaat bestand eine einheitliche und verhältnismäßig gut geregelte Währung. Kopernikus, der sich ab 1517 intensiver mit dem Münzwesen beschäftigt hatte, nahm regelmäßig in beratender Funktion an Besprechungen zur Erarbeitung einer neuen Münzordnung teil und zeigte erstmalig die Doppelfunktion des Geldes auf, nämlich zugleich Maßstab der Preise und Zirkulationsmittel zu sein. Die preußischen Städte behielten ihre vorherigen Rechte zum eigenen Münzschlagen. Die vergleichbaren Münzwerte königlich- und herzoglich-preußischer sowie polnischer und litauischer Währung schufen das größte Währungsgebiet des damaligen Europa. Die von Kopernikus entworfene "Brotpreisordnung" war Teil seiner administrativen Tätigkeit.

 

Titelbild Ausgabe 1/2011

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